Oxford, Korea und die christlichen Sets

© Oxford Co., Ltd.

Für die Kenner ostasiatischer Steine aus ABS ists keine Neuigkeit, aber Oxford dürfte wohl einer der sehr wenigen Hersteller sein, der christliche Motive nutzt für Sets. Eigene Entwicklung, keine Klone oder Kopien. Das hat aber nicht den Hintergrund, dass man eine schnelle Münze mit gläubigen Menschen christlichen Glaubens machten möchte, sondern mit einer fest verwurzelten christlichen Gemeinde in Korea. Wie verbindet sich das mit Klemmbausteinen konkret?

Man glaubts kaum, obwohl Korea (Nord und Süd) ein tief im konfuzianischen Kulturkreis verwurzeltes Land ist, hat das Land eine starke christliche Glaubensgemeinschaft (Protestanten und Katholiken) mit über 13,9 Millionen Menschen (8,6 Millionen Protestanten und 5,3 Millionen Katholiken) bei einer Einwohnerzahl von über 77 Millionen Leuten. Andere Zahlen sprechen von 30% im Jahre 2010, aber im Endeffekt es nicht nicht von der Hand zu weisen, dass ein guter Teil der koreanischen Bevölkerung einer der christlichen Konfessionen angehört.

Durchaus erwähnenswert, dass die Koreaner selbst das Christentum in China für sich entdeckt haben durch konfuzianische Gelehrte während der späten Joseon-Dynastie (auch als Yi-Dynastie bekannt) im 17. Jahrhundert und nicht durch westliche Missionare „bekehrt“ wurden. Jene Gelehrte, wie zum Beispiel Yi Gwang-jeong brachten mehrere theologische Bücher von italienischen Jesuiten aus China mit zurück auf die Halbinsel in Ostasien und verbreiteten so die Kunde des Christentums in Korea. 1758 hat jedoch König Yeongjo offziell das Christentum als „teuflische Ausübung“ verboten – was aber dennoch 1785 durch den ersten koreanischen Laienprediger namens Yi Seung-hun wieder eingeführt wurde (ist auch der der erste katholische koreanische Märtyrer), unterstützt durch chinesische und französische Katholiken, welche auf Einladung koranischer Christen kamen.

Die katholische Kirche in Rom vor allem war durchaus erstaunt im 18. und 19. Jahrhundert, dass bereits Christen katholischer Konfession im Land vorgefunden wurden, welche im Untergrund aktiv waren.

Craig Rohn - CC BY-SA-2.0
Craig Rohn – CC BY-SA-2.0 / Das ist die katholische Kirche und Märtyrerheiligtum Saenamteo in Seoul, Südkorea.

Klar, die Könige der Joseon-Dynastie betrachteten auch weiterhin das Christentum als subversiv und verfolgten die frühesten Anhänger in Korea, was 1866 in ganz Korea 8.000 Katholiken das Leben kostete (darunter auch neun französischen Missionspriestern). Allerdings war es schon zu spät für die Verfolger, das Christentum hatte sich bereits in Korea festgesetzt. Die Öffnung Koreas für die Außenwelt im späten neunzehnten Jahrhundert brachte religiöse Toleranz für die noch verbleibenden Katholiken, 1884 kam auch der Protestantismus über nordamerikanische Missionare dazu.

Wichtig bei der Geschichte um das Christentum in Korea ist ein Name: Heiliger Andreas Kim Taegon.

Mit dem mach ich auch endlich den Übergang zu Oxford in Korea, denn ich mach ja keinen Blog zum Christentum in Fernost sondern zu Klemmbausteinen. Wichtig ist mir aber es insofern, warum Oxford als urkoreanische Firma christliche Sets herstellt. Christliche Koreaner empfinden das Christentum nicht als westlichen Glauben, der ihnen aufoktroyiert wurde, sondern als eine im Land verwurzelte Religion.

© Oxford Co., Ltd.
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Rabanus Flavus - CC BY-SA-3.0
Rabanus Flavus - CC BY-SA-3.0

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Rabanus Flavus - CC BY-SA-3.0
Rabanus Flavus - CC BY-SA-3.0

Ja, Oxford hat hier nämlich den heiligen Pater Andreas Kim Taegon (김대건 안드레아 oder in Hanja: 金大建, Heiligsprechung am 6. Mai 1984 durch Papst Johannes Paul II.) als Pixel Block seit Oktober 2020 im Angebot in Zusammenarbeit mit dem Bistum Daejon in Südkorea erstellt und kann ausschließlich im Naver Shop „Anews Mall“ für 12.000 Südkoreanische Won (ca. 9,- € mit Stand Februar 2021) erstanden werden (Klick). Auch nicht auf der Verkaufsplattform gmarket.co.kr (Für euch getestet).

Kurz noch, auf den Darstellungen vom heiligen Pater Andreas ist interessant, wie die Bekleidung der koreanischen Oberschicht sich in gewisser Weise einen Synkretismus auf der Ebene sakraler Bekleidung durchlebte mit der Soutane der katholischen Priester aus jener Zeit.

Da hörts aber nicht auf.

Galerie zum Set des Heiligen Paters Andreas Kim Taegon

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Ganz frisch, ganz heiß hats Oxford angekündigt auf deren koreanischen Blogseite naver.com am 8. Februar 2021, dass zu Ehren des 200. Geburtstags des heiligen Pater Andreas Kim Taegon ein Set aufgelegt wird (Klick).

Es zeigt das Geburtshaus des besagten ersten koreanischen Priesters, der am 21. August 1821 in Taegon geboren wurde zusammen mit zwei Minifiguren vom Heiligen Andreas Kim, einmal als Statue mit einem Denkmal sowie als Darstellung vom heiligen Pater Andreas. So, wie es auch auf der nationalen historischen Stätte Nummer 529 in Korea wiederaufgebaut wurde. Der heiliger Pater Andreas Kim ist den Koreanern so wichtig, weil er einer von ihnen war – auch wenn er katholisch und christlich war. Er war so wichtig, dass er und die ersten Christen in Korea, welche den Martyrertod starben, eine eigenen Gedenkschrein namens Solmoe bekamen (hier nähere Infos auf deutsch dazu –> Klick).

Für mich, der im Westen aufgewachsen ist und für den Kirche oder Religion im Zusammenhang mit Klemmbausteinen nicht kennt, für den wirkt das recht seltsam und befremdlich auf den ersten Blick.

Ach, bevor ich es vergesse, ihr müsst mal im Netz koreanische Kirchen anschauen, da habt ihr von ostasiatischer Architektur bis hin zur romanischen gehaltenen Kathedrale in Basilika-Bauweise.

Galerie zur Vorlage

© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)
© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)

© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)
© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)

© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)
© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)

© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)
© heilige Stätte Solmoe (Nationale historische Stätte 529)

Wie auf der obigen Galerie ersichtlich, das Set ist modular aufgebaut im Minifigurenmaßstab und führt so allerlei Sachen. Geht los vom Heiligenbild, Brunnen, geflieste Böden im Innenraum, Denkmal bis hin zum Jangdokdae (Außenterrasse mit Tontöpfen zur Vorratshaltung von Lebensmitteln – ja so hab ich auch geschaut, hier stehts genauer auf englisch -> Klick). Grabmal ist es im übrigen keins, da die Gebeine vom heiliger Pater Andreas Kim in der Kapelle im Priesterseminar des heutigen Erzbistums in Seoul ruhen.

Erwähnenswert, es ist ursprünglich als MOC gestartet und wurde dann dank Oxford als Set aufgelegt. Passiert bei Oxford häufiger. Das Set selbst ist 32x16x12 cm (40×20 Noppen) sowie das Grabdenkmal mit 6×12,5×15,5cm. Ungewöhnlich, dass keine Steinezahl angegeben ist, was aber sicherlich noch kommen wird.

Wo kann man es kaufen? Nun, laut dem Blog von Oxford ist es käuflich zu erwerben für 50.000 Südkoreanische Won (ca. 37,- Euro) beim katholischen Schrein/Denkman Solmoe per Telefon unter +82 41-362-5021 oder per Mail unter solmoe1821@hanmail.net (Website: solmoe.or.kr).

Oder ihr seid dort beim Schrein/Denkman Solmoe in Korea vor Ort und kauft es für 45.000 Südkoreanische Won (ca. 33,- Euro) – Die Wahl liegt bei euch.

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Ich glaub, das dürfte wohl eines der berühmtesten Sets im deutschsprachigen Raum von Oxford sein mit einem der bekanntesten Motive überhaupt der christlichen Glaubenslehre:

Das letzte Abendmahl

Oder wo der Oberhäuptling einer jüdischen Sekte, ihr wisst schon der berühmteste Tischler nach Harrison Ford sagte, dass er von einem seiner Brudis aus seiner Zwölfersquad verraten werden wird.

Die Story halt mit Judas, Garten Getsemani, Jerusalem, Festnahme, Kreuzigung, Tod. Auferstehung, etc. pp. – die Geschichte, die wegen Verrat und dreißig Silberlinge dezent eskalierte. Aber seien wir froh, dass er gekreuzigt wurde und für unsere Sünden sich geopfert hat. Denn wäre er von Pontius Pilatus durch die Römer im See Genezareth ertränkt worden, wir hätten überall über den Türen und im Herrgottswinkel ein Aquarium stehen. In einem Paralleluniversum vielleicht. Wer weiß.

In Southpark moderiert er auch eine Talkshow namens "Jesus and Pals" auf dem offenen Kanal.
In Southpark moderiert er auch eine Talkshow namens „Jesus and Pals“ auf dem offenen Kanal.

Zurück zum Set, es ist eine Nachbildung des Wandgemäldes von Leonardo da Vinci namens Il Cenacolo oder L’Ultima Cena – Zu deutsch: Das Abendmahl. Das Wandgemälde ist nicht im Vatikan wie oft und immer behauptet wird sondern ist im Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie und ist wohl das wichtigste Werk von Leonardo da Vinci überhaupt. Wer mehr zum Gemälde wissen will, der möge hier sich die ganze Historie auf der Wikipedia reinpfeifen –> Klick.

Ich schweif ab, genug von Jesus, dem Erlöser und Heiland, zurück zum Set von Oxford, welches 2016 veröffentlicht wurde unter eigenen Flagge und wirklich eine lange Geschichte bei Oxford hat. Ursprünglich wurde es um 2013 aufgelegt für das Ausland, spezieller im Auftrag des Importeurs IMEX für Nordamerika für die dortige christliche Gemeinden verschiedenster Ausprägung. Immerhin ist Jesus doch der gemeinsame Nenner bei allen. Hier mal ein paar Impressionen vom Auslandsset aus damaligen Zeiten:

Galerie zu Trinity Toys mit the last supper

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Trinity Toyz (Dreifaltigkeitspielzeug) so der Markenname, der Importeur IMEX hockte damals wie heute in Florida, USA. Florida? Oxford? Richtig in Florida war damals auch Laserpegs, die auch Teile von Oxford nutzten. Ob die Leute der Firmen miteinander sprachen oder zusammengearbeitet haben? Zwei Importeure für Klemmbausteine – wenn die sich nicht kennen, dann weiß ich es auch nicht. Kennen sich ja bei uns im deutschsprachigen Raum die Händler und Importeure alle unter einander und die reden auch miteinander. (Achtung: Vermutung, ich bin wieder die böse Klemmbaustein-BILD!)

Also, wie vorhin die Recherche ergab, der Importeur und Auftraggeber des Sets war ja die Firma IMEX World Of Bricks. Die waren damals auch der damalige Generalimporteur von Cobi und Oxford für die Vereinigten Staaten von Amerika – folglich kein kleiner Händler/Importeur damals (Klick zu deren Webseite). Die hatten sogar noch eine Krippe in Klemmbausteinoptik, nur derzeit ausverkauft – nicht bekannt, ob das auch Oxfordteile waren. Im Übrigen, auch Cobi hat mal so eine Krippe im Sortiment gehabt.

Wahnsinn, kann man machen, ja warum nicht (Klick zur Klemmbausteinkrippe). Heut machen die aber wohl nicht so viel mit Bricks laut deren Webseite, aber das hat ja nichts zu heißen (Falls die nicht ins B2C-Geschäft ausgewichen sind).

© IMEX World Of Bricks
© IMEX World Of Bricks

Laut den Infos von Oxford (Klick hier zur Nachlese – obacht, ist auf Koreanisch) muss es 2013 recht beliebt gewesen sein in den USA. So beliebt, dass eben auf Grund der stark verwurzelten christlichen Koreanern und Oxfordfreunden auch im Inland Nachfrage dazu gab. 2014 kam die Bestätigung von Oxford hierzu, dass das Set auch inländisch neu aufgelegt wird. Die Sets sind aber unterschiedlich, so soweit sei es gesagt!

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© Oxford Co., Ltd. / Erste hauseigene Überarbeitung für den einheimischen Markt.

Der Unterschied erschließt sich dem aufmerksamen Auge, denn das Gebäude hinten unterschiedet sich (Fenster, Vorhänge und Portal) sowie die Teller sind mal als auffälligste Unterschiede zu nennen. Das Bild zeigt aber die erste noch nicht aufgelegte Überarbeitung, quasi ein Work in Progress zum Ködern. Der Preis, der 2014 genannt wurde, waren 20.000 südkoreanische Won (ca. 15,- € damals umgerechnet im Jahre 2014). Aber… es kam nicht 2014 raus.

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© Oxford Co., Ltd. / Die angekündigte Verpackung 2014.

Da kocht Oxford auch nicht anders als zum Beispiel Cobi oder andere Klemmbausteinhersteller. Im Endeffekt kam das Set dann 2016 heraus, genauer Januar 2016 (Statt Weihnachten 2015) wurde es an die koreanischen Händler und Onlineshops geliefert zu einem UVP von… 52.000 südkoreanischen Won (ca. 43,- Euro per Januar 2016), in den Läden und Onlineshops wurde es aber zwischen 30.000 und 40.000 südkoreanischen Won verkauft (zwischen 23,- und 31,- Euro damals). Der UVP erklärt sich laut Oxford durch den Sprung von 286 Teilen auf 524 Teilen am Ende, denn die 350 Teile wurden nochmals überarbeitet:

© Oxford Co., Ltd.
© Oxford Co., Ltd.

Also, die Unterschiede zwischen beiden Sets (Oxford und Trinity Toyz):

  • Jesus Chistus darf eine Toga tragen aus Stoff – nicht Papier oder Pappe.
  • Anständige Baseplate in 40 mal 10 Noppen.
  • Holzsäulen wurden durch Steinsäulen ersetzt und die Fenster wurden taillierter.
  • Zwei neue Bärte wurden als Figurenteile erstellt.
  • Andere Frisurenteile zur Trinity Toyz-Version.
  • Andere Gesichter auf den Minifigköpfen.
  • 286 (2013 Trinity Toyz) zu 524 Teilen (2016 Oxford).

Und damit erreicht auch das erste (oder zweite Set, je nach Sichtweise) von Oxford mit christlicher Backgroundstory seine finale Form. Grundlegend hat Oxford für die eigenen Leute in Korea das Set ordentlich aufgebohrt, selbst Jesus Christus hat ein Stoffgewand aka Toga bekommen. Wenn man sich das Gebäude anschaut, ist es doch ein ordentlicher Unterschied zum Set für die Vereinigten Staaten von Trinity Toyz vorhanden.

Last but not least, BM bei den Setnummern steht offensichtlich für Brick for Mania, wo ich es noch nicht einordnen kann, ob das eine Setreihe ist oder etwas mit MOC-Designern zu tun hat.

Nun, das wars mal mit Christentum in Korea und Sets von Oxford. Danke für eure Aufmerksamkeit und Geduld! Freue mich, wenn ihr mal wieder vorbeischaut bei mir.

Haut rein und baut fein!

Autor: Alfonso

Enddreißiger, Familienvater, Klemmbausteinsüchtling. Schrieb früher für justbricks.de und ist auch als Moderator auf Noppensteinwelt.de unterwegs.

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